Abdus-Salaams Ansichten

Über "Islamismus", "Politischer Islam", "Liberaler Islam" und weiteren Unfug

Es gibt viele Begriffe, mit denen man Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken versucht. Die Einordnung von Menschen in bestimmte Schubladen vereinfacht den Umgang mit Menschen. Das Schubladendenken ermöglicht es die Auseinandersetzung mit Menschen, die einem aus irgendeinem Grund unangenehm sind oder scheinen, zu vermeiden, es können Menschen damit geistig abgeschoben werden.

Eine Gruppe von Menschen, die gerne in Schubladen sortiert wird ist die Gemeinschaft der Muslime. Vor wenigen Jahren war "Islamisten" die beliebteste Abschieb-Schublade, heute ist es "Politischer Islam". In der Politik ist man sehr kreativ was das Erfinden für Begriffe für Schubladen für Muslime und den Islam angeht, wobei dabei Muslime und Islam nicht getrennt werden sodass es so scheint als gäbe es alle Arten von Islamen, oder heißt es doch Islams?

Punkt 1: Muslime und Islam sind nicht dasselbe. Wenn ich Muslim bin und in Deutschland lebe heißt das nicht, dass meine Religion der "Deutsche Islam" ist. Wenn ein Muslim in eine Kneipe geht und Bier trinkt ist das kein islamischer Kneipenbesuch.
Der Islam ist nicht abhängig von den Handlungen der Muslime, die Grundlagen des Islams sind der Qur'an und die Sunnah(Überlieferungen über den Propheten Muhammad, möge Allahs Frieden und Segen auf ihm sein) und Muslime machen auch Dinge, die nicht konform der Lehren aus Qur'an und Sunnah sind.

Punkt 2: Der Qur'an und die Sunnah des Propheten Muhammad, möge der Frieden und Segen auf ihm sein, bieten eine feste Grundlage bezüglich Werte und Handeln, die unumstößlich ist. Es gibt ein moralisches Fundament, das die Grundlage der islamischen Glaubenslehre bildet und das weder verhandelbar noch fügbar ist. Auf diesem Fundament stehen alle weiteren Elemente der islamischen Religion. In diesem moralischem Fundament findet sich der Grundsatz des Rechts auf Leben sowie des Rechts auf Freiheit im Glauben. Zurück zu Punkt 1: Wenn nun ein Muslim einen Menschen tötet dann ist das kein islamischer Mord!
Die willkürliche Schädigung anderer Menschen aufgrund von religiöser Zugehörigkeit hat keine Basis im Islam und deshalb ist es absolut falsch Menschen, die andere Menschen terrorisieren mit Begriffen zu identifizieren, in denen der Islam vorkommt.

Punkt 3: Es gibt Dinge, für die der Islam Spielraum für verschiedenes Handeln und verschiedene Ansichten gibt, was nicht heißt, dass sich Muslime, die in diesen Angelegenheiten unterschiedliche Ansichten haben nicht mehr der gleichen Glaubensgemeinschaft angehören. Der Islam ist keine politische Richtung. Muslim wird man indem man bekennt, dass man daran glaubt, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad sein Diener und Gesandter ist. Muslim zu sein bedeutet sich Allah zu unterwerfen. Jemand der Muslim wird sieht sich nicht an was sich eine Muslimische Gruppierung so zu bieten hat und sagt sich dann: "Das gefällt mir, da will ich beitreten."
Es gibt weder einen "Politischen Islam", noch einen "Liberalen Islam". Der Islam ist eine Religion und ein Muslim kann Mitglied in der SPD sein und trotzdem ändert sich seine Religion dadurch nicht. Ein Muslim kann Bier trinken und seine Religion wird dadurch nicht zum "Liberalen Islam".

Punkt 4: Die meisten Begriffe, die zur Einordnung von Muslimen genutzt werden sind mit Negativem assoziiert. Des weiteren sind die Schubladen für die Muslime an keine klaren Kriterien geknüpft, also kann man sie ohne Probleme willkürlich auf Muslime anwenden, so werden sie oft Opfer von Stigmatisierung. Die Stimmen von Muslimen sind in den Medien und der Politik unterrepräsentiert, weshalb Muslime es schwer haben sich gegen diese Stigmatisierung zu wehren.

Punkt 5: Ich möchte nicht verschweigen, dass wir in Europa ein Problem haben mit Menschen, die das Leben anderer Menschen bedrohen, auch das Leben von Muslimen, und behaupten sie täten das im Namen Allahs. Ich sehe auch die dringende Notwendigkeit hart gegen diese Menschen vorzugehen, die andere Menschen terrorisieren, aber aufgrund dessen, dass diese Terroristen vorgeben im Namen des Islams zu handeln wird ihr Terror nicht zu einem theologischen Problem. Der größte Teil der Muslime hat ebenso ein Interesse an der Bekämpfung von Terrorismus wie die Nichtmuslime, aber es hilft nicht gerade, dass Muslime immer wieder aufgrund ihres Glaubens negativ gebrandmarkt werden und in eine Ecke gestellt werden, genauso wenig hilft es den Islam in politische Untereinheiten zu differenzieren und so die Muslime nach politischen Wünschen aufzuteilen.

Die Einteilung von Muslime in "Politischen Islam", "Liberalen Islam" usw. ist völlig irreführend und führt zu zusätzlichen gesellschaftlichen Spannungen in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft bereits viel Spannungen aushalten muss.

Sie sind nicht angemeldet